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Unsere Gemeinde macht
alle zwei Jahren einen Gemeindeausflug. Auf der Gemeindeversammlung im
Monat Januar 2003 hatten wir als den Ausflugsort die Stadt Xanten
gewählt. Xanten ist eine touristisch hochinteressante Stadt.
Sie ist durch eine reiche und interessante Geschichte geprägt und
enthält viele Sehenswürdigkeiten. Nebenbei bemerkt: Xanten ist die
einzige deutsche Stadt, die mit einem X beginnt!
Die Geschichte der Stadt begann vor circa 2000 Jahren, als die Römer
hier eine
Siedlung gründeten. Die römische Stadt "Colonia Ulpia
Traiana" (Siehe die Zeichnung links) war nach Köln die bedeutendste römische Siedlung der Provinz
Niedergermanien.
Im Archäologischen Park Xanten wird die römische Stadt durch
Ausgrabungen und Teilrekonstruktionen für die Öffentlichkeit
zugänglich und verständlich gemacht. Das ist das Ziel unseres
Ausflugs. Im Monat März erteilte ich den Ausflugswilligen im
Gemeindehaus einen Crashunterricht in römischer Geschichte von der
Gründung Roms bis zum Untergang des Weströmischen Reichs. Dabei kam
auch die rasante Ausbreitung und die schreckliche Verfolgung der
Urchristen im römischen Reich zur Sprache.
Nicht nur die Mitglieder unserer Gemeinde, sondern auch die
Hörgeschädigten von anderen CGGen nahmen am Ausflug teil. Am 1. Mai
2003 um 10 Uhr trafen wir uns vor dem Eingang, der durch das
nachgebaute Hafentor führt. Das Wetter meinte es richtig gut mit uns.
Die Sonne schien von einem klaren Himmel. Wir waren gespannt, was wir
dort vorfinden würden. Mit hoher Erwartung betraten wir den Park. Wir
sahen neben den Gebäuden auch eine große Wiese, die von rechtwinklig
angelegten Straßen mit Kanalisation durchzogen war.
Zuerst gingen wir der Stadtmauer entlang und bestiegen ihre Wehrtürme.
Die Stadtmauer umzog die Siedlung. Auf einzelnen Strecken ist sie als
Mauer, auf anderen nur als hohe Hecke rekonstruiert.
Als nächstes nahmen wir uns den Hafentempel vor. Schon von weitem
gesehen, ragt dieser Tempel aus dem "grünen Meer" der Baumgipfel
hervor. Jedoch wurde er wegen seiner immensen Größe nur teilweise
rekonstruiert. Im "Keller" war das Fundament des original Tempels
erhalten. Auf diesem wurde der Tempel nachgebaut. Wir sind darüber
erstaunt, wie mächtig der Tempel ist. Es ist wirklich erstaunlich, was
die Römer so alles geschafft haben.
Man weiß noch heute nicht, welchem römischen Gott dieser Tempel
geweiht ist.
Wir gingen weiter bis zum großen Nordtor. Das Tor wurde von zwei hohen
viereckigen Türmen flankiert. Dort stiegen wir die steilen Treppen bis
zum Wehrgang nach oben. Das war immerhin im zweiten Stock. Im ersten
Stock sahen wir römische Katapulte, die dazu dienten, Steingeschosse
auf Angreifer zu schleudern. Vor dem Nordtor sahen wir den Eingang zu
einem Kanalsystem. Einige von uns stiegen über eine Leiter in das
Kanalrohr. Hier war es dunkel und eng und man musste in gebückter
Haltung durch das Kanalrohr gehen, bis wir wieder einen kleinen
Ausstieg erreichten und ans Tageslicht kamen.
Danach begaben wir uns zum "Irrgarten". Dort stand früher ein
römisches Wohnhaus, das nun mit Hilfe von Hecken nachgebaut wurde.
Weiter des Weges kamen wir an einen Platz, an dem verschiedene
Steinbrocken lagen.
Zum Mittag trieb der knurrende Magen uns zur römischen Herberge, die
detailgetreu als römisches Gasthaus wieder aufgebaut wurde. Dieses
Restaurant bietet auf seiner Speisekarte geschmorte Zwiebeln in Liquamen, Öl und Wein, Frikadellen aus Seetieren oder
Schweinefrikassee mit Aprikosen oder Hühnchen auf numidische Art. Wir
konnten gegen Gebühr die römischen Kleidungen anziehen und erhielten
dazu auch einen grünen Lorbeerkranz. Wir verzehrten teils die
römischen Speisen, teils die deutschen. Das bereitete uns viel
Vergnügen, nicht nur unserem Magen. In dieser Herberge konnte man auch
noch das Badehaus, die Schlafzimmer und die Esszimmer sehen. Hinter
diesem Gebäude ist immer noch ein schöner Kräutergarten zu sehen.
Wir besuchten das Amphitheater. Früher wurden in dem Amphitheater
Kämpfe zwischen Gladiatoren und Tieren ausgetragen. Rund 10.000
Menschen fanden in diesem Amphitheater Platz. Vor dem Amphitheater
konnte man die Statue des Gründers (Kaiser Trajan) sehen, von dem auch
der Name der Römerstadt stammte, nämlich Colonia Ulpia Traiana.
Nachdem wir uns das Amphitheater ausgiebig angesehen hatten, bestiegen
wir alle einen Wachturm und liefen auf einem Mauerabschnitt bis zum
nächsten Turm. Hier konnten wir uns ausmalen, wie die Römer den
Angriff der Germanen abwehrten.
Schließlich fuhren wir zu den Thermen mit einer Gesamtfläche von mehr
als 10.000
Quadratmetern (!) im Westteil der Stadt. Eindrucksvoll
erhebt sich die rote Glas-Stahl-Konstruktion der Großen Thermen über
den Ruinen der antiken römischen Badeanstalt. Der großartige Bau macht
die Dimensionen der ursprünglichen Anlage sichtbar. Die
Glas-Stahl-Konstruktion schützt die empfindlichen Ausgrabungen
unterhalb des Bodenniveaus. Schon der kleine Ausschnitt eines Modells
der Thermen lässt uns erahnen, welchen Luxus die Römer sich schon vor
2000 Jahren leisten konnten, und welche architektonische Leistung die
Römer vorweisen konnten. Einfach unglaublich!
Am Nachmittag verließen wir den Archäologischen Park und besuchten den
sehenswerten mittelalterlichen Stadtkern von Xanten. Dort steht der
mächtige Dom St. Viktor. Die kostbare Innenausstattung des Doms zeugt
vom Reichtum Xantens im Mittelalter. Weitere Sehenswürdigkeiten wie
das majestätische Klever Tor, die Kriemhildmühle, in der täglich
gemahlen und gebacken wird, der mächtige quadratische Meerturm, die im
Jahr 1736 gebaute Marktpumpe und die anderen bezauberten uns. Es gibt
noch mehr Sehenswürdigkeiten, die wir aber aus Zeitmangel nicht
aufsuchen konnten.
Nach einem gemütlichen Beisammensein bei Kaffee und Kuchen in einem
romantischen Café de Fries, das im Herzen des historischen Stadtkerns
liegt und seit 180 Jahren besteht, fuhren wir, erfüllt von vielen
Eindrücken, nach Hause. Wir stimmen alle noch heute darin, dass dies
ein sehr schöner Gemeindeausflug war, den Gott uns schenkte!
Hans-Holger Miebach
Links:
Archäologischer Park in Xanten
LVR Archäologischer Park Xanten
Die Stadt Xanten |