Einleitung
Im ersten Artikel sahen wir, dass Gott uns seinen
Heiligen Geist gibt, wenn wir unser Vertrauen auf Jesus Christus setzen.
Nun wollen wir sehen, was der Heilige Geist in unserem Leben tut. Auch was
wir tun müssen, damit er wirken kann. Ich möchte dazu zwei Bilder
gebrauchen: das Bild von der geistlichen Achterbahn und das Bild von der
geistlichen Autobahn.
Die geistliche Achterbahn

Als ich klein war, gab es in unserer Nähe einen Freizeitpark mit einer
Riesenachterbahn. Eine meiner größten Freuden war es, mit der Achterbahn
zu fahren. Immer wieder bat ich meine Eltern um eine Mitfahrt. Am Anfang
der Bahn wurde der Zug in die Höhe gezogen, dann sauste er den Berg
hinunter und wieder hoch, durch die Kurven, immer wieder rauf und runter
bis zur Endstation.
Oft ist unser Leben mit Jesus Christus wie eine Achterbahn. Wir erleben
ein Hoch, aber wir erleben auch viele Tiefs. Am Sonntag gehen wir zum
Gottesdienst in der Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft. Die Gemeinschaft
macht uns Mut, Gottes Wort spricht uns an. Wir möchten wirklich ganz für
Jesus leben. Dann kommt der Montag und der graue Alltag. Sorgen und
Anfechtungen, Probleme und Versuchung stürmen auf uns ein.
Oder wir fahren zu einer CGG-Freizeit. Vierzehn Tage lang haben wir Zeit
zu beten und die Bibel zu lesen. Gott scheint sehr nah zu sein, unser
Leben verändert sich. Dann kehren wir nach Hause und sind wieder allein.
Die guten Vorsätze sind vergessen, der Segen ist dahin, die Freude
verblasst.
Viele Christen meinen, dass ist normal so. Sogar der Apostel Paulus sagt:
Ich möchte tun, was gut ist, und doch tue ich
immer wieder, was schlecht ist. (Römer
7,19).
Hat nicht Herr Jesus auch gesagt:
Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist
schwach?
(Mätth. 26,41).
Da müssen wir sehr deutlich sagen: Nein! Das ist nicht normal. Gott möchte
nicht, dass wir schwach sind. Er befiehlt uns in seinem Wort:
Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner
Stärke. (Epheser 6,10)
Wir brauchen nicht immer "unten" zu sein. Paulus sagt:
Gott sei Dank! Er hat uns den Sieg gegeben durch
unsern Herrn Jesus Christus! (1.
Korinther 15,57)
Unser Leben soll nicht fruchtlos bleiben. Jesus sagte:
Wer in mir bleibt, der bringt viele Frucht.
(Johannes 15,5)
Wie ist ein solches Leben möglich? Durch den Heiligen Geist, der in uns
wohnt. In Römer 8,2 spricht Paulus von zwei Gesetzen:
Das Gesetz der Sünde und des Todes
Das Gesetz des Geistes des Lebens in
Christus Jesus
Das Gesetz der Sünde und des Todes kann man mit dem Gesetz der Schwerkraft
vergleichen. Es zieht uns immer nach unten. Solange wir aber leben, können
wir dieses Gesetz der Schwerkraft überwinden und aufrecht gehen. Stirbt
der Mensch, so tritt aber das Gesetz der Schwerkraft unweigerlich in
Kraft.
Das ist ein Bild von unserem Leben. Durch den Glauben an Jesus Christus
haben wir neues Leben bekommen. Dieses neue Leben kommt vom Heiligen
Geist. Er gibt uns Kraft, so zu leben, wie Gott möchte. Das ist die Frucht
des Geistes, von der die Bibel spricht: Liebe, Freude, Frieden, Geduld,
Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung (Galater 5,22).
Die geistliche Autobahn

Als ich 1970 nach Deutschland kam, war die Sauerland-Autobahn A45 noch
nicht fertig. Wer zwischen Frankfurt und Dortmund fahren wollte, hatte
eine lange kurvenreiche Strecke vor sich. Heute können wir mühelos mit
Vollgas auf der Autobahn fahren.
Viele Christen wünschen sich ein Christsein ohne Mühe. Sie bilden sich
ein, die Geistesfülle sei wie eine geistliche Autobahn. Dort gibt es keine
Probleme und keine Kämpfe. Man segelt sozusagen mit Vollgas in den Himmel.
Wenn man nur die Auffahrt finden könnte!
Wir müssen auch hier sagen: diese Vorstellung ist falsch! Es gibt kein
Leben in der Nachfolge Jesu Christi ohne Mühe und Kampf. Jesus war voll
Heiligen Geistes, als er sechs Wochen lang in der Wüste versucht wurde
(Lukas 4,1). Als das Volk Israel unter Josua ins verheißene Land
einmarschierte, mussten sie kämpfen, um es einzunehmen. Paulus sagt im
Epheserbrief, wir müssen stark sein, damit wir im Kampf überwinden können.
Die Bibel sagt:
Der Weg ins Gottesreich führt durch viel Leid.
(Apostelgeschichte
14,22)
Probleme und Anfechtungen kommen zum Beispiel durch:
schwierige Lebensumstände, zum Beispiel Arbeitslosigkeit. Ich war selber
neuen Monate arbeitslos. Das zehrt an unseren Nerven.
körperliches Befinden, zum Beispiel Krankheit oder Hörschaden. Jede(r)
Hörgeschädigte(r) weiß, wie schwer für sie das Leben sein kann;
Gefühle und Stimmungen:
die meisten von uns stehen am Montag morgen nicht mit einem "Halleluja!"
auf.
Unsere Lebensumstände, unser körperliches Befinden, und unsere Gefühle und
Stimmungen gehen tatsächlich auf und ab wie eine Achterbahn! In diesen
Dingen fühlen wir uns oft sehr schwach. Das heißt aber nicht, daß wir
geistlich schwach sind. Im Gegenteil! Gott sagt: Gerade wenn du schwach
bist, kann sich meine Kraft an dir besonders zeigen (2.Korinther 12,9
Hoffnung für alle). Deshalb können wir mit Paulus sagen: Ich will vor
allem auf meine Leiden und Schwächen stolz sein. Dann nämlich wirkt
Christi Kraft in mir. Darum lasse ich den Kopf nicht hängen in
Schwachheit, in Not, in Ängsten: Gerade wenn ich schwach bin, bin ich
stark durch Christus (2.Korinther 12,9-10 Hoffnung für alle).
Voll heiligen Geistes
Wenn wir die
Bibelstellen aufmerksam lesen, sehen wir, dass Lukas einen Unterschied
macht zwischen Menschen, die voll Heiligen Geistes waren, und
Menschen, die mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden.
Als Elisabeth und
Zacharias, die Eltern von Johannes dem Täufer (Lukas 1,41.67), die
Gläubigen zu Pfingsten (Apg 2,4), die betende Gemeinde (Apg. 4,31), Petrus
(Apg. 4,31) und Paulus (9,17; 13,9) mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden,
kam der Heilige Geist über sie, ähnlich wie über Menschen im Alten
Testament. Wie der Herr Jesus versprochen hatte (Mätth. 10,20; Lukas
12,12), gab ihnen Gottes Geist in einer Ausnahmesituation ein besonderes
Wort: eine Weissagung, ein Lob, ein Zeugnis.
Dieses erfüllt
werden mit dem Heiligen Geist ist ein Geschenk Gottes. Wir können
darum beten (Lukas 11,13; Apg. 4,29-30), aber wir können es selber nicht
hervorrufen.
Wenn Lukas vom Herrn
Jesus (Lukas 4,1), Stephanus (Apg 6,8; 7,55) und Barnabas (Apg 11,24)
sagt, sie seien voll Heiligen Geistes, meint er etwas anderes. Er
spricht von einem Dauerzustand. Er meint dasselbe wie Jakobus:
Gottes Geist, der in
uns wohnt, will uns ganz allein besitzen.
(Jakobus 4,5 Hoffnung für alle)
Im Lebenszentrum
Adelshofen (Baden) zeigt ein großes Wandbild mehrere Gefäße, die auf den
Felsen mitten in einem rauschenden Bergbach stehen. Sein Titel: Es
fließt für alle, aber nicht alle werden voll.
Der Bach ist ein Bild
vom Heiligen Geist, wie Jesus sagte:
Wer an mich glaubt, von ihm werden Ströme lebendigen
Wassers fließen. Das sagte er aber vom (Heiligen) Geist.
(Johannes 7,38-39)
Die Gefäße sind ein
Bild von uns. Manche stehen abseits vom Strom oder auf einem hohen Felsen
und bekommen wenig Wasser. Ein Gefäß steht mitten im Strom, wird dauernd
erfüllt und fließt über. So soll unser Leben sein.
Lasst euch vom Heiligen Geist erfüllen
(Epheser 5,18)
In der nächsten Folge
werden wir sehen, wie wir "mitten im Strom" stehen und im Geist wandeln
können.
Michael Ponsford
mponsford@t-online.de