Der erste Osterabend
Am ersten Osterabend erschien der auferstandene Herr und sagte seinen
Jüngern: empfanget den Heiligen Geist. (Johannes 20,22) Manche sagen: die
Apostel haben damals den Heiligen Geist schon empfangen. Zu Pfingsten
wurden sie dann mit dem Heiligen Geist getauft.
Johannes schreibt aber nicht, dass die Apostel den Heiligen Geist
tatsächlich empfangen haben. Im Gegenteil, er sagt, der Heilige Geist
konnte erst kommen, nachdem Jesus in den Himmel gefahren war (Johannes
7,39). Jesus sagte das Gleiche: wenn ich nicht weggehe, dann kommt der
Heilige Geist nicht zu euch (Johannes 16,7).
Hier gab Jesus seinen Jüngern den Befehl, den Heiligen Geist zu empfangen.
Sie haben ihn aber tatsächlich zu Pfingsten empfangen.
Die Gläubigen in Samarien
Im 8.Kapitel der Apostelgeschichte lesen wir, wie Philippus nach Samarien
kam. Er predigte dort das Evangelium. Viele Menschen glaubten und wurden
getauft. Dann kamen Petrus und Johannes und beteten für sie, dass sie den
Heiligen Geist empfangen sollten.
Manche sagen: diese Stelle beweist, dass man Jesus annehmen kann, ohne den
Heiligen Geist zu empfangen. Das stimmt aber nicht. Lukas macht sehr
deutlich: es war eine Ausnahme (Bitte Apg 8,16 lesen).
Der Heilige Geist und die Taufe
Die Römisch-Katholische Kirche lehrt, dass der Mensch den Heiligen Geist
durch die Säuglingstaufe empfängt. Viele evangelische Christen denken auch
so. Nun hat der ehemalige Baptistenpastor David Pawson ein Buch
herausgegeben. Das Buch heißt: Wiedergeburt. David Pawson sagt: wir
sollten Buße tun über unsere Sünde, Jesus im Glauben annehmen und uns mit
Wasser taufen lassen, dann kommt der Heilige Geist auf uns. Das ist der
biblische Weg. Hat David Pawson recht?
Im Neuen Testament wurden die Gläubigen sofort getauft. Das sehen wir sehr
deutlich beim Kerkermeister von Philippi. Paulus führte ihn zu Jesus
mitten in der Nacht und er ließ sich sofort taufen (Apostelgeschichte
16,33). Damals geschahen Glaube, Taufe und Empfang des Heiligen Geistes
zusammen.
Heute sieht das meistens anders aus. Viele von uns haben Jesus Christus
angenommen und den Heiligen Geist empfangen. Erst später haben wir
erkannt, wir müssen uns taufen lassen.
Aber auch im Neuen Testament kam die Taufe nicht immer vor dem Empfang des
Heiligen Geistes. Das kann man nachlesen in der Apostelgeschichte, Kapitel
10. Petrus predigte das Evangelium und der römische Hauptmann Kornelius
kam zum Glauben. Er empfing der Heilige Geist und Petrus taufte ihn (Apg.
10,44-48).
Der Heilige Geist und die Handauflegung
An zwei Stellen in der Apostelgeschichte haben Menschen mit Handauflegung
den Heiligen Geist empfangen. Es waren die Gläubigen in Samarien (Apg.
8,17) und die Johannesjünger in Ephesus (Apg. 19,6). Diese Stellen
bedeuten aber nicht, dass man den Heiligen Geist durch Handauflegung
spenden kann.
Wir wissen, dass die Juden keinen Kontakt mit den Samaritern hatten (Joh.
4,9). Petrus und Johannes legten aber den Gläubigen in Samarien die Hände
auf. Damit wollten sie sagen: wir sind eins in Christus. Den
Johannesjüngern in Ephesus wollte Paulus mit der Handauflegung sagen: nun
gehört ihr voll dazu. Paulus sagt dem Timotheus, er habe eine Geistesgabe
empfangen durch das Auflegen seiner Hände (2.Timotheus 1,6) oder der
Gemeindeältesten (1.Timotheus 4,14). Vielleicht erinnert Paulus den
Timotheus an seine Aussendungsfeier. Paulus wollte den jungen Mann für den
Missionsdienst mitnehmen. Die Gemeindeältesten haben ihm die Hände
aufgelegt. Sie sagten: Timotheus, wir glauben, Gott hat Dir eine Gabe
gegeben. Nur Gottes Geist kann uns Geistesgaben geben, aber unsere
Glaubensgeschwister können unsere Gabe bestätigen.
Reden in unbekannten Sprachen Zungenrede
An drei Stellen in der Apostelgeschichte wird berichtet, wie Menschen "in
Zungen redeten", nachdem sie den Heiligen Geist empfangen hatten.
Eigentlich ist der Ausdruck Zungenrede oder in Zungen reden eine falsche
Übersetzung. In der Übersetzung Hoffnung für alle steht: Reden in
unbekannten Sprachen, das heißt: in einer Sprache, die der Redner nicht
gelernt hat.
Ist Sprachenrede ein Zeichen für die
Geistestaufe?
Gott hat Pfingsten dieses Zeichen gegeben. Die Jünger lobten Gott in
verschiedenen Sprachen. Damit wollte Gott zeigen: das Evangelium ist für
alle Menschen. Seit dem Turmbau von Babel sind die Menschen durch die
verschiedenen Sprachen getrennt. durch Jesus Christus und in seiner
Gemeinde sollen die Menschen wieder eins werden.
Als die Jünger Gott in verschiedenen Sprachen lobten, wurden die Zuhörer
neugierig. Petrus konnte ihnen das Evangelium predigen. Drei tausend kamen
zum Glauben.
Gott hat dieses Zeichen der Sprachenrede wiederholt, als der römische
Hauptmann Kornelius zum Glauben kam. Der Herr wollte Petrus und den
anderen Juden damit zeigen, daß diese Nichtjuden wirklich den Heiligen
Geist empfangen hatten.
Wir lesen in der Apostelgeschichte von vielen anderen Menschen, die den
Herrn Jesus angenommen haben ohne in unbekannten Sprachen zu reden. Reden
in unbekannten Sprachen ist kein Zeichen dafür, daß man den Heiligen Geist
empfangen hat.
Reden in unbekannten Sprachen in der
Gemeinde
Paulus behandelt dieses Thema im 12. und 14. Kapiteln des
1.Korintherbriefes. Dort sagt er zwei wichtige Dinge: erstens, wir haben
alle verschiedenen Gaben von Gott empfangen. Jeder muss seine Gabe zum
Wohl alle gebrauchen. Zweitens, die Sprachenrede ist im Gottesdienst wenig
nützlich, weil keiner versteht, was gesagt wird.
Eine letzte Warnung
Reden in einer unbekannten Sprache ist nicht unbedingt ein Zeichen vom
Heiligen Geist. Man kann auch in einer unbekannter Sprache Jesus Christus
verfluchen (Vgl. 1.Korinther 12,3). Reden in unbekannten Sprachen findet
man auch bei Sekten (z.B. bei den Mormonen), in anderen Religionen, und
bei Spiritisten und Zauberern.
Psychologen und Sprachwissenschaftler haben noch etwas entdeckt. In vielen
christlichen Gemeinde wird die "Zungenrede" praktiziert. Aber die Leute
reden keine Sprache. Sie sprechen nur Laute aus, die keine Bedeutung
haben.
Zum Schluß wollen wir uns den König Saul aus dem Alten Testament
anschauen. Sein Beispiel ist uns eine ernsthafte Warnung. Zweimal kam der
Geist Gottes über ihn. Er geriet beide Male in Verzückung. Das erste Mal
(1.Samuel 10,10) war es ein Segen Gottes. Der Herr hatte Saul als König
auserwählt. Das Kommen des Geistes war eine Bestätigung.
Das zweite Mal (1.Samuel 19,23-24) war es Gottes Fluch. Saul war hinter
David her. Gottes Geist hielt Saul auf, so dass David entkommen konnte.
Heute lesen wir von Menschen, die im Gottesdienst auf den Boden fallen,
sich hin und her walzen, laut lachen und Tierlaute von sich geben. Da muss
man fragen: ist das Gottes Segen?
Wenn du weitere Fragen zu diesem Thema hast, kannst du dem Verfasser deine
Fragen faxen unter 02742/1232.
Michael Ponsford
mponsford@t-online.de