Kaiser Konstantin
Konstantin war ein römischer General, der 300 Jahre nach Jesus Christus
lebte. Er war in Britannien stationiert. Als seine Soldaten hörten, dass
der Kaiser in Rom gestorben war, sagten sie zu Konstantin: „Du sollst
Kaiser werden!“ Sie marschierten mit ihm nach Rom.
Auf dem Weg hatte Konstantin einen Traum. Er sah ein Kreuz im Himmel und
hörte eine Stimme, die ihm sagte: „In diesem Zeichen sollst du siegen!“ Er
ließ seinen Soldaten das Kreuzeszeichen auf ihre Fahne bringen, gewann die
Schlacht und wurde zum Kaiser gekrönt.
Konstantin, der Kaiser von Rom, war Christ geworden. Damals war das
Christentum verboten, Christen wurden immer wieder wegen ihres Glaubens
verfolgt. Nun erklärte Konstantin: „Es ist nicht mehr verboten, Christ zu
sein.“
Das ökumenische Konzil
Konstantin rief die Führer der christlichen Kirche zu einem Konzil
(Beratung) zusammen. Es war das erste Mal in der Geschichte, dass Christen
aus der ganzen Welt zusammenkommen konnten. Deshalb nennt man es
„ökumenisches Konzil“, von dem griechischen Wort Ökumene, die bewohnte
Welt.
Damals gab es einen Mann namens Arius. Er lehrte, Jesus Christus sei nicht
Gott, sondern ein Geschöpf. Das Konzil sagte: „Arius ist ein Irrlehrer.
Jesus ist wahrer Mensch und wahrer Gott.“
Das Christentum wird zur Staatsreligion
50 Jahre später erklärte Konstantins Nachfolger: „Das Christentum soll
jetzt Staatsreligion werden. Es ist verboten, ein Heide zu sein.“ Die
Folge blieb nicht aus: die Menschen strömten in die Kirche. Die meisten
waren überhaupt nicht wiedergeboren. Sie wurden getauft und hießen nun
„Christen“.
Viele Gläubige waren nicht damit einverstanden. „Die Welt ist in die
Kirche hineingekommen!“ sagten sie. „Die Kirche ist voller getaufte
Heiden!“. Manche zogen sich ins Kloster zurück. Dort versuchten sie ein
frommes, heiliges Leben fern von der Welt zu führen. Andere bildeten
Gemeinschaften, die nur wiedergeborene Christen aufnahmen.
Der Verfall der Kirche
Im Mittelalter kamen durch die Jahrhunderte hindurch viele falsche
Vorstellungen in die Kirche hinein. Die Leute achteten nicht nur auf die
Bibel sondern auch auf menschliche Tradition und die Lehre der Kirche. Sie
meinten, dass man nicht nur durch Gottes Gnade und den Glauben an Jesus
errettet wird, sondern auch durch fromme Leistungen wie zum Beispiel
Fasten, Spenden und Pilgerfahrten. Wer zu wenig getan hatte, konnte den
Rest nach dem Tod im Fegefeuer ableisten.
In den Kirchen wurden die Taufbecken immer kleiner, weil die Menschen
immer früher getauft wurden. Schließlich begann man, Säuglinge zu taufen.
Das Herrenmahl wurde zur Messe. Die Kirche lehrte, dass Brot und Wein zum
Leib und Blut Jesu Christi verwandelt werden ist und dass die Gläubigen
inh durch Essen der Hostie aufnehmen. Bei jeder Messe wird Jesus noch
einmal geopfert, deshalb darf nur ein ordinierter Priester die Messe
feiern.
Die Leute glaubten, Jesus könne die Bitten seiner Mutter nicht abschlagen,
deshalb fingen sie an, zu Maria zu beten. Man gab ihr immer höhere Titel
wie „Gottesmutter“, „Himmelskönigin“ und Miterlöserin mit Christus. Die
Kirche lehrte, dass sie ohne Sünde geboren wurde, ewig eine Jungfrau blieb
und nach dem Tod leiblich in den Himmel fuhr.
Im Neuen Testament hatte jede Gemeinde mehrere Leiter. Sie wurden
Presbyter (Älteste) oder Bischof (Aufseher) genannt. Mit der Zeit wurde
einer der Chef. Er wurde Bischof genannt, die anderen Presbyter. Später
galten die Bischöfe der Stadt mehr als die Presbyter der Dörfer. Noch
später gab es in den Großstädten Erzbischöfe und, über allen, in der
Hauptstadt der Bischof von Rom, der Papst.
Die Kirchen im Osten des römischen Reiches erkannten den Papst als
Oberhaupt aller Christen nicht an. Es gab 1054 nach Christus eine
Spaltung. Die Kirche im Westen nannte sich katholisch, d.h. universal,
allumfassend, die Kirche im Osten nannte sich Orthodox, d.h. rechtgläubig.
Bis heute behaupten beide, die einzig richtige Kirche Jesu Christi zu
sein. Die Kirche mischte sich auch in die Politik. Ein Papst ließ den
Kaiser drei Tage barfuß im Schnee stehen, um zu zeigen, dass er der
Stärkerer war. Adelige kauften sich Ämter und verschenkten sie ihren
Verwandten.
Wer nicht einverstanden war, wurde von der Kirche verfolgt und oft auf dem
Scheiterhaufen bei lebendigen Leibe verbrannt.
Die Reformation
Vor fast 500 Jahren wagte ein deutscher Mönch, die Missstände in der
Kirche zu anzuprangern. Sein Name war Martin Luther. Durch seinen Protest
(deshalb spricht man von Protestanten) entstand eine Bewegung, die man
Reformation nennt. Diese Christen wurden evangelisch genannt, weil sie zum
biblischen Evangelium zurückkehren wollten.
Luther betonte vier Punkte:
Die Heilige Schrift allein ist Grundlage des Glaubens, nicht Tradition
noch die Lehre der Kirche.
Durch Christus allein wird man errettet, nicht durch die Kirche noch durch
Maria und die Heiligen.
Gott rettet uns Menschen allein aus Gnade, nicht weil wir es durch fromme
Leistung verdient hätten.
Wir werden Christen allein durch Glauben, nicht durch die Kirche oder die
Taufe, nicht durch die Eltern und die Erziehung.
Die Täufer
Der Stadtrat von Zürich in der Schweiz bat Ulrich Zwingli, die Kirche zu
reformieren. Einige Gläubige fragten ihn: „Wie stehst du zur
Glaubenstaufe?“ Zwingli war in der Klemme, denn die Glaubenstaufe passt
nicht zur Volkskirche. Aber die Stadtväter sagten: „Wenn du die
Volkskirche abschaffst, werden wir wieder katholisch!” So entstanden die
ersten Freikirchen. Heute heißen sie Taufgesinnte, Baptisten oder
Mennoniten.
Pietisten
Hundert Jahre nach Martin Luther war die Evangelische Kirche in
Deutschland in einem elenden Zustand. Sie hatte die rechte Lehre, aber
geistlich sie war tot. Einige Prediger erkannten, dass viele Leute in der
Kirche einfach nicht wiedergeboren waren. Sie sammelten die Gläubigen in
kleinen Kreisen, um miteinander Gottes Wort zu studieren, zu beten und
Gemeinschaft zu haben. So entstanden die Pietisten und die
Landeskirchlichen Gemeinschaften.
Erweckungen und Denominationen
Vor 300 Jahren sah die Kirche in England katastrophal aus. Die Pfarrer
verbrachten mehr Zeit mit Kartenspiel und auf der Jagd als für
Verkündigung und Seelsorge. Arbeiter und Bauern blieben der Kirche fern.
Aber gläubige Pfarrer wie die Brüder John und Charles Wesley und ihr
Freund George Whitfield predigten das Evangelium. Sie wurden Methodisten
genannt. Viele Menschen kamen zum Glauben, es gab eine große Erweckung.
Leider lehnten die meisten Pfarrer die Erweckung ab, die Methodisten waren
gezwungen, eine eigene Kirche zu gründen.
In der Geschichte der christlichen Kirche ist so etwas immer wieder
passiert. Deshalb gibt es heute nicht eine christliche Kirche sondern
viele unterschiedliche Gruppen, die man Konfessionen oder Denominationen
nennt.
Die Sehnsucht nach Einheit
Vor 200 Jahren gab es in Europa große Veränderungen. In Frankreich gab es
die Revolution. In Deutschland gab es einen Befreiungskrieg gegen
Napoleon. Die Menschen waren verunsichert. Viele Christen dachten:
„Vielleicht kommt Jesus Christus bald wieder!“ Deshalb wollten sie das
Evangelium in der ganzen Welt verkündigen. Sie waren auch besorgt um die
Zersplitterung der Kirche. Was dann geschah, lesen wir in der nächsten
Folge.
- Die Sehnsucht nach Einheit
- Bedenken über die Ökumene
Michael Ponsford
mponsford@t-online.de