Matthäusevangelium Kapitel 6, Verse 9 bis 13
In dieser Reihe werden wir das Vater Unser studieren. Das Vater Unser ist
ein Gebet, das Jesus Christus uns gelehrt hat. Deshalb nennen wir es auch
das Herrngebet. Viele kennen das Vater Unser auswendig. Sie mussten es für
die Konfirmation lernen. Das Vater Unser wird auch in jedem Gottesdienst
der Evangelischen und Katholischen Kirche gebetet. Ich frage mich aber, ob
alle verstehen, was sie dabei beten? Es ist leicht, das Vater Unser
herunterzulei sagen, ohne nachzudenken, was wir da sagen. Deshalb wollen
wir sehen, was der Herr Jesus mit diesem Gebet meinte.
Jesus lehrt uns beten
Wir lesen in der Bibel, dass Jesus oft betete. Einmal waren seine Jünger
dabei und hörten zu. Sie waren sehr überrascht. Jesus betete ganz anders,
als sie gewohnt waren. Die Jünger kannten die Gebete im Gottesdienst.
Geschriebene Gebete wurden vorgelesen, genau wie bei uns. Aber Jesus
sprach ganz natürlich mit Gott, wie man mit einem Freund spricht. Die
Jünger waren neugierig. Sie wollten auch lernen, so zu beten. Deshalb
baten sie Jesus: „Herr, lehre uns beten!“
Jesus antwortete: „Wenn ihr betet, sagt…“ Wir haben Jesus oft
missverstanden. Wir meinen, wir sollen immer wieder die Worte des Vater
Unsers sprechen. Deshalb betet man dieses Gebet immer wieder im
Gottesdienst. Aber Jesus wollte nicht, dass wir immer wieder doe gleichen
wort sprechen. Er wollte uns eine Hilfe geben, wie wir beten können.
Wir brauchen keine langen Gebete machen
Damals, zur Zeit Jesu, gab es Leute, die lange Gebete machten. Sie
glaubten, Gott hört sie, wenn sie viele Worte machen. Das brauchst du
nicht, sagte Jesus. Gott weiß doch, was wir brauchen, ehe wir es sagen.
Wenn du viel auf dem Herzen hast, sagt Jesus, dann geh in dein Zimmer ganz
allein und sag es Gott. Er hört dich. Aber wenn du im Gottesdienst bist,
sprich ein kurzes Gebet.
Das Vater Unser ist sehr kurz. Jesus sagt sehr viel mit wenigen Worten.
Wir werden in den nächsten Nummer der Christlichen Gehörlosen-Zeitung mehr
über das Vater Unser studieren. Wir werden sehen, wie voller Bedeutung es
ist.
Das Vater Unser hat verschiedene Teile
Zuerst kommt die Anrede:
Unser Vater in dem Himmel!
Danach kommen drei Bitten. Sie haben alle mit Gott zu tun:
Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein
Wille geschehe.
Die nächsten Worte:
wie im Himmel so auf Erden.
sind wie ein Bindeglied. Sie sind der Übergang von der ersten Hälfte des
Gebets zur zweiten Hälfte.
Dann kommen vier Bitten, die mit uns Menschen zu tun haben:
Unser täglich Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir unseren Schuldigern vergeben.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Das Gebet endet mit einem Lobpreis zu Gott:
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die
Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Das Gebet beginnt und endet mit Gott.
Das Vater Unser ist wie die Finger an unserer Hand.
| Daumen |
Verehrung |
„Geheiligt
werde dein Name.“ |
| Zeigefinger |
Verbreitung |
„Dein Reich komme! Dein Wille geschehe!“ |
| Mittelfinger |
Versorgung |
„Gib uns heute unser tägliches Brot.“ |
| Ringfinger |
Vergebung |
„Vergib uns unsere Schuld.“ |
| Kleinfinger |
Verführung |
„Führe uns
nicht in Versuchung.“ |
Der Daumen ist anders als die übrigen Finger. Wenn wir beten: „Geheiligt
werde dein Name“, dann erinnern wir uns, dass Gott anders ist als wir
Menschen. Wir verehren ihn.
Mit dem Zeigefinger zeigt man den Weg. Wenn wir beten: „Dein Reich komme!
Dein Wille geschehe!“, dann erinnern wir uns, dass Gott uns zeigt, was er
will. In der Bibel lesen wir, wie wir leben sollen. Wir erinnern uns auch,
dass Gottes Reich das Ziel unseres Lebens ist.
Mit dem Zeigefinger melden wir uns, wenn jemand fragt: „Wer macht mit?“
Wenn Jesus Christus fragt, „Wer will mir nachfolgen?“ dann melden wir uns:
„Ja, Herr! Dein Wille geschehe!“
Der Mittelfinger ist der größte. Wenn wir Gott bitten: „Gib uns heute
unser tägliches Brot“, dann erinnern wir uns, dass er groß genug ist, für
uns zu sorgen.
Ehepartner tragen am Ringfinger einen Ehering. Er erinnert an den Ehebund.
Durch Christus hat Gott mit uns auch einen Bund geschlossen. Jesus sagte
beim Abendmahl: „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut.“ Wenn wir
beten: „Vergib uns unsere Schuld“, erinnern wir uns, dass Jesus am Kreuz
für unsere Schuld starb. Deshalb kann Gott alles vergeben, was wir
verkehrt gemacht haben.
Der kleine Finge erinnert uns, dass die Versuchung oft mit kleinen Dingen
anfängt. Wenn wir beten: „Führe uns nicht in Versuchung“, dann bitten wir
Gott, uns zu bewahren. Im Lied heißt es: