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Die "Beweise" für die Evolution, die wir in der vorherigen Einheit betrachtet haben, sind die Ergebnisse der Evolutionsforschung. Im Rahmen dieser Forschung unterscheidet man zwei Hauptbereiche:
Die historische Evolutionsforschung versucht, die Entstehung des Lebens im Sinn der Evolutionslehre zu rekonstruieren und die Beweise für die Evolution des Lebens ausfindig zu machen. Die kausale Evolutionsforschung stellt die Fragen nach den Faktoren, welche die Evolution bewirken, und nach den Mechanismen, die dabei zugrunde liegen. Weiterhin versucht sie, den Wirkungsbereich der gefundenen Evolutionsfaktoren zu ermitteln und das Ausmaß an Veränderungen der Lebewesen durch diese Faktoren zu erklären. Die Ergebnisse dieser Forschung ("empirische Daten") werden nicht nur im Rahmen der Evolutionslehre, sondern auch im Rahmen der Schöpfungslehre gedeutet. Während die Evolutionslehre versucht, anhand dieser Daten die beliebige Wandelbarkeit der Organismen, d.h. die Entstehung der völlig neuen Organe und Baupläne der Organismen, zu beweisen, versucht die Schöpfungslehre, die Grenzen der Veränderlichkeit der Lebewesen innerhalb der Grundtypen aufzuzeigen. Folgende Evolutionsfaktoren, die empirisch belegt sind, werden der Reihe nach betrachtet:
Anmerkung: Im folgenden werden die wichtigen biologischen Fachbegriffe mit der Erklärung ihrer Bedeutung verlinkt. MutationFür die Wirkungsweise der Evolution spielt nicht das Individuum, sondern die so genannte Population eine wichtige Rolle. Evolution spielt sich am Genpool ab. Der Genpool wird durch das Auftreten von Mutationen bereichert. Mutationen sind sprunghafte erfolgende Veränderungen im Erbgut. Durch sie erhalten die Organismen neue Merkmale. Die Veränderungen im Erbgut könnten an die Nachkommen der Population vererbt werden. Zum Beispiel haben alle Fruchtfliegen rote Augen. Durch Mutation können ihre Nachkommen weiße Augen bekommen. Folgende Bilder zeigen einige mutierten Fruchtfliegen:
Weiteres Beispiel für die Mutation ist der Albinismus. Der Albino ist genetisch nicht in der Lage, Melanin zu erzeugen. Das Melanin ist ein braunes bis schwarzes Pigment, das die Färbung der Haut, der Haare und der Augen bewirkt. Daher sind beim Albino die Haare weißlich, die Haut blass, und die Augen bekommen wegen des durchscheinenden Blutes eine rote Farbe.
Mutationen können spontan auftreten oder durch z.B. kosmische Strahlungen, Röntgenstrahlen, oder auch Chemikalien erzeugt werden. Fast alle Mutationen sind aber für ihre Träger schädlich. Man denke z.B. an die durch Tschernobyl hervorgerufenen Erbgutschädigungen und Krebserkrankungen. In Hiroshima wurden nach Explosion der Atombombe zum Beispiel Fröschen mit drei Augen oder mit fünf Beinen geboren.
In der Evolutionstheorie geht man davon aus, dass eine Vielzahl dieser kleinsten Veränderungen den betreffenden Organismus so verändern, dass er komplexer, also höher entwickelt wird.
SelektionDurch Mutationen erhalten die Lebewesen neue Merkmale. Ob diese für sie vorteilhaft sind, entscheidet allein die Selektion. Die Selektion ist eine natürliche Auslese durch die Umwelt. Sind neue Merkmale besser an die Umwelt angepasst, dann kommen die betreffenden Organismen zur Fortpflanzung, d.h. vorteilhafte neue Merkmale werden an die Nachkommen weitergegeben. Dagegen werden die nachteiligen Merkmale von der Selektion ausgemerzt, d.h. sie werden nicht an die Nachkommen weitergegeben. Ein Beispiel: In Wald und Feld sind braune Kaninchen am braunen Boden gut angepasst. Denn sie werden von Fressfeinden (Adler, Habicht usw.) schwer entdeckt. Wenn durch Mutation ein weißes Kaninchen geboren wird, und die Umwelt (Brauner Boden) unverändert bleibt, wird es von Fressfeinden schnell gefunden. Man sagt, das weiße Kaninchen hat einen negativen Selektionswert, weil es an seine Umwelt schlecht angepasst ist. Daher wird das weiße Kaninchen von der Selektion schnell ausgemerzt. Wenn die braunen Kaninchen aber das Hochgebirge besiedeln, dann fallen sie auf dem Schneefeld auf und werden daher von Räubern eher entdeckt und gejagt. Diesmal sind die braunen Kaninchen schlecht an die Umwelt (= Schnee auf dem Hochgebirge) angepasst. Durch Mutation werden aber weiße Kaninchen geboren, die auf dem Schnee besser getarnt sind. In diesem Fall hat das weiße Kaninchen einen positiven Selektionswert. Die Selektion sorgt also dafür, dass mit der Zeit nur noch weiße Kaninchen überleben und braune Kaninchen aussterben.
Im Lauf der Erdgeschichte blieb die Umwelt nicht konstant, z.B. Trockenheit, die Wüstenbildung, der Klimawechsel, die Eiszeit usw. Die Lebewesen (Pflanzen und Tiere) müssen sich an die sich veränderte Umwelt stetig neu anpassen. Sonst führt das zum Aussterben der Art.
RekombinationUnter Rekombination versteht man eine Neudurchmischung vorhandener Gene. Bei der sexuellen Fortpflanzung der Lebewesen werden die väterlichen und mütterlichen Gene in den Keimzellen neu verteilt. Wie diese Verteilung abläuft, entscheidet der Zufall allein. Durch die freie Kombinierbarkeit der Gene entsteht eine sehr große Zahl genetisch unterschiedlicher Lebewesen. Die Anzahl der Kombinations-möglichkeiten der Gene einer Population ist unvorstellbar hoch.
GendriftAuch wenn weder neue Mutationen auftreten noch die Selektion wirkt,
kann sich trotzdem die Zusammensetzung des
Genpools einer
Population bei
der Fortpflanzung über mehrere Generationen verändern. Solche
zufallsbedingte Änderungen der Zusammensetzung des Genpools bezeichnet man
als Gendrift. Die Gendrift kommt besonders bei einer Naturkatastrophe wie
zum Beispiel Seuche, Unwetter oder Waldbrand zutage, wobei eine Gruppe von
Trägern bestimmter Merkmale plötzlich aussterben. Dadurch verschiebt sich
die Zusammensetzung des Genpools. Sie ist in kleinen Populationen viel
wirksamer als in großen. Ein Beispiel ist die Population aus 40 Kaninchen,
davon 24 braune und 16 weiße Kaninchen. Während eines Sturmes fällt ein
dicker Baum auf diese Population. Bei diesem tragischen Unfall sterben 20
Kaninchen, und zwar 18 braune und 2 weiße.
Das Verhältnis hat sich durch dieses Zufallsereignis
stark verändert. Zum
Vergleich die selbe Rechnung mit einer zehnmal so großen Population.
ArtbildungUnter Artbildung versteht man die Aufspaltung einer Art in zwei oder mehrere Tochterarten. Populationen können sich zum Beispiel durch Klimaveränderungen, Stürme usw. so auseinander entwickeln, dass der Genaustausch zwischen ihnen unterbrochen oder zumindest so selten ist, dass kein einheitlicher Genpool mehr besteht. Auf diese Weise entsteht aus der Ausgangspopulation die Tochterpopulationen, die mit der Zeit immer mehr Merkmalsunterschiede aufweisen, weil keine Vermischung mehr möglich ist und
Schreitet diese Auseinanderentwicklung einmal so weit voran, dass die getrennten Populationen bei späterer Wiederüberlappung oder bei künstlicher Zusammenführung durch den Menschen miteinander keine Nachkommen mehr hervorbringen, so sind gemäß der biologischen Artdefinition aus einer Ausgangsart zwei neue Tochterarten entstanden. Artaufspaltung einer Art in zwei Tocherarten:
Die Synthetische EvolutionstheorieDurch Naturbeobachtung hatte Charles Darwin folgendes festegestellt:
Daraus hatte Darwin gefolgert, dass aus dem Überangebot der Nachkommen im Wettbewerb um günstige Lebensbedingungen (Nahrung, Lebensraum und Geschlechtspartner) nur diejenigen Individuen überleben, die am besten an die Umwelt angepasst sind. Diese geben ihre erblichen Merkmale an die folgenden Generationen weiter ("survival of the fittest" = Überleben der Tauglichsten). Aufgrund dieser Beobachtung hatte Darwin seine Selektionstheorie in seinem epochemachenden Buch "On the Origin of Species" (1895) begründet. Die natürliche Auslese durch die herrschenden Umweltbedingungen bewirkt das gleiche, was der Züchter geplant und gezielt vornimmt (künstliche Selektion). Streng genommen hatte Darwin keine Evolutionstheorie, sondern nur eine Selektionstheorie formuliert. In seinem Werk hatte Darwin nicht dargestellt, dass neue erbliche Eigenschaften durch Mutationen entstanden sind, weil die Genetik zu dieser Zeit noch nicht erforscht war. Niemand wusste damals, wie es überhaupt möglich ist, dass Eigenschaften vererbt werden. Daher war die Selektionstheorie in den Jahrzehnten nach dem Erscheinen von Darwins Buch "On the Origin of Species" nicht immer unumstritten. Als die Mendelschen Vererbungsregeln um die Jahrhundertwende "wiederentdeckt" wurden, kam die Selektionstheorie in eine ernste Krise. Im Lauf der fortgeschrittenen Forschung wurde aus der Selektionstheorie durch die Hinzunahme der weiteren Evolutionsfaktoren Mutation, Rekombination, Isolation, Gendrift, Populationswellen und Gentransfer eine so genannte "Synthetische Evolutionstheorie" entwickelt. Sie hat ihren Namen daher, dass sie eine Synthese von Erkenntnissen aus allen biologischen Forschungsgebieten darstellt, d.h. in die Synthetische Evolutionstheorie fließen die Erkenntnisse der Genetik, Populationsgenetik, Ökologie und Biochemie ein. Nach Auffassung der meisten Evolutionsbiologen soll das Zusammenwirken der in dieser Theorie beschriebenen Evolutionsfaktoren nicht nur die Optimierung der vorhandenen Organe und Strukturen (Mikroevolution, siehe nächste Webseite), sondern auch die Entstehung völlig neuer Organe und Strukturen (Makroevolution, siehe nächste Webseite) erklären. Bildquellen: Abb. 1: Time-Life Wunder der Natur - Die
Evolution, 1969
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