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Wir haben die Evolutionsmechanismen und -faktoren studiert und einige Beispiele für deren Wirkungen betrachtet. Um diese beobachtbaren Vorgänge vor dem Hintergrund des gesamten Evolutionsgeschehen richtig einordnen zu können, ist es wichtig, die genaue Definition der Begriffe "Mikroevolution" und "Makroevolution" zu kennen und dadurch die Unterschiede zwischen beiden zu kennen. Diese Kenntnisse helfen uns, die häufigen Missverständnisse bei der Evolutionsdiskussion zu vermeiden und auch die Beweislage für die Evolution richtig zu beurteilen. Um die Unterschiede zwischen Mikroevolution und Makroevolution besser verstehen zu können, seien zuerst einige Definitionen vorangestellt, die mit der Einteilung der Lebewesen zu tun haben. Zunächst wird die Klassifikation der Lebewesen angegeben:
Da es vor allem im Bereich der Gattung und der Art sehr schwierig ist, eine genaue Typdefinition zu fassen, gibt es zwei verschiedene Artbegriffe:
Wichtig bei dieser Definition ist, dass die Nachkommen fruchtbar sein müssen und dass sich die Eltern unter natürlichen Bedingungen kreuzen müssen. Die Anwendung beider Artbegriffe führt aber oft zum widersprüchlichen Ergebnis. Denn es gibt Lebewesen in nicht geringer Zahl, die zwar der gleichen Morphospezies aber unterschiedlichen Genospezis zugeordnet (z.B. Grün- und Grauspecht) oder auch umgekehrt (z.B. Echter und Bach-Nelkenwurz) werden. Verschiedene Artdefinitionen führen aber auch zu unterschiedlichen Artgrenzen. Daher erhebt sich die Frage, ob es denn einen übergeordneten Begriff gibt, der die beiden Artbegriffe umfasst und auf diese Weise das Problem der unterschiedlichen Artgrenzen löst. Der Grundtypbegriff, der von Frank L. Marsh stammt, genügt diesen Anforderungen:
Im Gegensatz zu der obigen biologischen Artdefinition wird hier nicht gefordert, dass die Mischlinge fruchtbar sein müssen. Zu einem Grundtyp gehören oft mehrere, sogar auch hundert von Bio- und Morphospezies. Mit Hilfe dieser Grundtypdefinition können wir nun eine klare Trennung zwischen Mikro- und Makroevolution ziehen. Unter Mikroevolution versteht man quantitative Veränderung (Variation) bereits vorhandener Organe (z.B. Wechsel der Fellfarbe, Änderung der Schnabellänge), Strukturen oder Baupläne der Lebewesen. Diese wird auch als infraspezifische Evolution bezeichnet. "Infraspezifisch" bedeutet innerhalb von "Arten". Wenn wir aber den Grundtyp-Begriff zugrunde legen, dann können wir die Mikroevolution als Veränderung (Variation) innerhalb von Grundtypen definieren. Beispiele für die Mikroevolution sind die Entstehung der verschiedenen Hunderassen aus einer Urform, wahrscheinlich dem Wolf, und die Entstehung der bekannten Darwinfinken auf den Galapagos-Inseln aus der Festlandsform in Ekuador.
Dagegen ist Makroevolution eine echte Höherentwicklung, also eine Abstammung aller Lebewesen voneinander und aus einer Urzelle. Dabei werden neue Organe, Strukturen und Bauplantypen entstanden, die vorher nicht vorhanden sind. Die Makroevolution wird auch "transspezifische Evolution" genannt. "Transspezifisch" bedeutet "über Artgrenzen hinaus", also die Umwandlung von einem Grundtyp zu einem anderen. Beispiel ist die Abstammung der Säugetiere von den Reptilien.
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