Grundtypen als Schöpfungseinheiten

Die Schöpfungslehre gründet sich auf der konservativen Auslegung des Schöpfungsberichtes der Bibel. Demzufolge erschuf Gott alle Lebewesen nach ihrer Art. Was versteht die Bibel genauer unter "Art"? Darüber gibt sie keine eindeutige Auskunft. Daher besitzt der Schöpfungswissenschaftler eine gewisse Freiheit, wenn er versucht herauszufinden, welche Lebewesen jeweils zu einer "geschaffenen Art" gehören. Als Kandidat für die "geschaffene Art" könnte der so genannte Grundtyp in Frage kommen. Denn für den Grundtyp können die Kriterien angegeben werden, nach denen sich die Grundtypen eindeutlich voneinander abgrenzen lassen. Die auf Frank L. Marsh zurückgehende Grundtypdefinition lautet:
 

Alle Arten, die durch Kreuzungen direkt oder indirekt miteinander verbunden sind, also miteinander Nachkommen hervorbringen können, werden zu einem Grundtyp gerechnet1.

Diese Grundtypdefinition unterscheidet sich in folgenden Punkten von der Definition der biologischen Art:

  1. Nach der Grundtypdefinition wird nicht wie bei der Artdefinition die Fruchtbarkeit der Mischlinge gefordert. So gehören Pferd und Esel zwar zwei verschiedenen Arten, jedoch demselben Grundtyp an, denn sie können als Mischling den Maulesel bzw. das Maultier hervorbringen, die jedoch unfruchtbar sind2.
     

  2. Es wird nicht einmal verlangt, dass der gezeugte Mischling bis zur Geburt heranwächst. Eine Kreuzung ist sozusagen auch dann "gültig", wenn wenigstens die Embryonalentwicklung im Mutterleib beginnt3.
     

  3. Es spielt keine Rolle, ob die Kreuzungen im Freiland oder in Gefangenschaft erfolgen, ob die Kreuzungen häufig oder selten vorkommen4.
     

  4. Auch indirekte Kreuzungen werden berücksichtigt. Das heißt: Zwei nicht miteinander kreuzbare Arten gehören doch zu einem Grundtyp, wenn beide Arten mit einer dritten kreuzbar sind5.

 

Solch ein Grundtyp sind zum Beispiel die Hundeartigen. Alle Hunde lassen sich, wenigstens über Umwege, untereinander kreuzen. Sogar sehr unterschiedliche Hundeartige wie Wolf und Pudel lassen sich kreuzen, wie entsprechende Experimente zeigen. Dabei bleibt die Fortpflanzungsfähigkeit erhalten. Alle Hundeartigen stammten von einem Urhund ab, dessen Aussehen nicht mehr rekonstruiert werden kann. Dieser trug die Chromosomen und Gene aller Hundeartigen, die wir heute kennen.


Abb. 1: Die Abstammung der Hundeartigen von einem "Urhund"

Zu den Hundeartigen gehören beispielsweise der Haushund, der Wolf, der Fuchs, der Kojote und der Schakal. Mit dieser sinnvollen Zusammenfassung der Lebewesen zu bestimmten Grundtypen kann das Schöpfungsbild auch angesichts des heutigen Artenreichtums beibehalten werden.

Weitere Beispiele von Grundtypen:

Grundtyp "Hühnervögel"


Abb. 2: Grundtyp "Hühnervögel": Truthuhn, Haushahn, Jagdfasan, Königsfasan
Die Stockente gehört nicht zu diesem Grundtyp.

 

Grundtyp "Pferdeartige"


Abb. 3: Grundtyp: "Pferdeartige": Pferd, Afrikanischer Wildesel, Bergzebra und Steppenzebra


Abb. 4: Kreuzungstabelle der Pferdeartigen


Abb. 5: Der Somali-Wildesel hat an den Beinen
einige Streifen, die an Zebras erinnern.

Eine genaue Grundtyp-Untersuchung ist notwendig, wenn eine Tier- und Pflanzengruppe als ein Grundtyp beschrieben werden kann. Als erster Schritt wird eine Kreuzungstabelle mit den Kreuzungsergebnissen aufgestellt. Wenn alle Arten kreuzungsmäßig direkt oder indirekt miteinander verbunden sind und wenn keine Kreuzung zwischen den Arten dieser Gruppe und den anderen Arten außerhalb dieser Gruppe festgestellt wird, dann wird diese Gruppe als Grundtyp erkennbar. Anhand der Kreuzungsanalyse lassen sich die Grundtypen also eindeutig voneinander abgrenzen. In vielen Fällen zeichnen sich die Grundtypen auch durch typische morphologische Merkmale aus. Zum Beispiel ist bei den Entenartigen der typische Entenschnabel ein solches Merkmal. Die deutliche Abgrenzbarkeit von Grundtypen kann als Hinweis dafür gewertet werden, die Grundtypen mit den "geschaffenen Arten" gleichzusetzen.


Grundtypen als Schöpfungseinheiten, die sich aus geschaffenen Stammformen im Laufe der Erdgeschichte in zahlreiche Arten ausdifferenziert haben. Die Fragezeichen deuten an, dass der Schöpfungsakt naturwissenschaftlich nicht erfassbar ist.

Bildquellen:

Abb. 1: Hans-Holger Miebach
Abb. 2: Hans-Holger Miebach
Abb. 3: Hans-Holger Miebach
Abb. 4: Evolution - ein kritisches Lehrbuch, R. Junker, S. Scherer, Weyel Biologie, 2000
Abb. 5: http://www.in-chemnitz.de/tierpark-chemnitz/tierpark/