Programmierte Variabilität

Wie die Evolutionstheorie lehrt, dass am Anfang des Lebens nur die einfachsten und primitiven Lebeformen standen, und daraus entstanden im Lauf der Erdgeschichte  durch die Evolution immer komplexere Lebewesen. Die Schöpfungslehre besagt dagegen, dass am Anfang die Grundtypen erschaffen wurden, die sich dann im Laufe der Erdgeschichte in verschiedene Arten aufspalteten. Man nennt dies die Grundtypvariation. Sie verläuft ausschließlich im Rahmen der Mikroevolution. Wie wir beim Artikel "Grundtypen als Schöpfungseinheiten" gesehen haben, stammen z.B. alle Pferdeartigen von dem erschaffenen "Urpferd" oder alle Entenartigen von einer gemeinsamen Stammform ("Urente") ab.


Abb. 1: Die Abstammung der Entenartigen von einer geschaffenen Stammform

Woher haben die Grundtypen diese Fähigkeit zur Variabilität? Man nimmt an, die Grundtypen wurden mit der Fähigkeit zur Variabilität erschaffen. Somit war im Erbgut der erschaffenen Grundtypen eine große Vielfalt durch Schöpfung genetisch programmiert. Demnach waren die ursprünglichen Grundtypen (die "geschaffenen Arten") genetisch polyvalent (vielseitig, flexibel), d.h. im Gegensatz zur Evolutionstheorie standen am Anfang nicht primitive Vorfahren, sondern genetisch polyvalente, d.h. komplexe Vorfahren. Nach dieser Hypothese ist nicht die evolutionäre Entstehung neuer Allele, sondern das genetische Variations-Programm die Ursache für die Variabilität von Grundtypen. Das Ausmaß der Variationsmöglichkeiten wäre genetisch programmiert und damit begrenzt.

Abb. 2: Artbildung und genetische Polyvalenz im Evolutions- und Schöpfungsmodell:
Der Schöpfungsvorstellung gemäß geht mit jeder Artbildung ein Teil der Variationsmöglichkeiten unwiderruflich verloren. Das Spektrum der Variationsmöglichkeiten ist durch die Breite Stammbaumäste angedeutet. Der Evolutionstheoretiker nimmt dagegen an, dass dieser Verlust irgendwie wieder ausgeglichen wird.

Zum Beispiel stellt die Schnauzenlänge von Hunderassen eine Variationsbreite dar: Wenn wir die Schnauzenlänge des Wolfs, von dem die Hunderassen stammen, als durchschnittlich betrachten, dann ist die Schnauze des Barsoi vergleichsweise lang, die des Pekinesen dagegen kurz. Die Schnauzenlänge variiert aber innerhalb der schöpfungsgemäß vorgegebene Variationsbreite. 

Man mag sich fragen, warum die Grundtypen mit der Fähigkeit zur Variabilität erschaffen wurden. Ohne diese Fähigkeit könnten die Lebewesen auf den Wechsel der Umweltbedingungen nicht reagieren, und die Wahrscheinlichkeit, auszusterben, wäre für sie viel größer. Im Laufe der Erdgeschichte sind viele Arten ausgestorben. Man weiß nicht genau, warum. Aber die Züchtungsforschung liefert mögliche Erklärungen dafür: Durch den wiederholten Wechsel der Umweltbedingungen waren die Arten so einseitig spezialisiert, so dass sie den nächsten Wechsel nicht mehr verkraften und aussterben. Denn mit jeder Spezialisierung geht ein Teil der Variationsmöglichkeiten verloren, d.h. die spezialisierten Formen besitzen den Wildformen gegenüber ein verarmtes Erbgut. So können viele Zierpflanzen und Zuchttiere nur unter der Obhut der Menschen überleben. Im Freiland haben sie dagegen meistens keine Überlebenschance. Daher nimmt man, dass mit dem Spezialisierungsprozess nach der Erschaffung der Lebewesen die Verarmung des Erbgutes einhergeht.

Bildquellen:

Abb. 1: Hans-Holger Miebach
Abb. 2: Hans-Holger Miebach, Zeichnung nach Vorlage aus Evolution - ein kritisches Lehrbuch