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Was der junge Otto Schmeil an dem toten Präparat allerdings nicht sehen konnte, war die einzigartige Spechtzunge als wiederum "richtige" Ergänzung des langen Meißelschnabels. Vergleichbares findet sich bei keinem anderen Vogel: gestützt durch ein wahrlich überdimensionales Zungenbein, dessen Enden an der Stirn festgewachsen sind und das sich in weiten Bögen um den ganzen Schädel herum spannt, kann sie zum Beispiel bei unserem Grünspecht mehr als zwanzig Zentimeter weit herausgestreckt werden. Dabei leitet sie durch eine Art "Leimbeutel" hindurch und wird um und um mit klebrigem Speichel überzogen, an dem Ameisen und andere Insekten hilflos zappelnd hängen bleiben. Die Buntspechte dagegen "harpunieren" ihre Beute regelrecht aus den aufgemeißelten Fraßgängen, denn ihre ebenfalls ungewöhnlich lange Zunge ist nicht klebrig, sondern besitzt in der Tat wie eine Harpune nach rückwärts gerichtete Stacheln, die aufgespießten Insektenlarven keinerlei Chance zum Entrinnen gewähren. Doch alles, was sich da an "technischen" Einzelheiten gegenseitig so vortrefflich und sinnvoll ergänzt, wäre nutzlos, verfügte unser Specht als einziger Vogel nicht über einen geradezu genialen "Stoßdämpfer" in seinem Schädel. Auf so einzigartige Weise bewahrt er das Gehirn vor Verletzungen, dass unlängst amerikanische Forscher diese rätselhafte Sache genauer untersuchten, um nach dem Vorbild des Spechtschädels neuartige Sturzhelme für Motorradfahrer konstruieren zu können, die selbst bei hartem Aufprallen eine Gehirnerschütterung vermeiden helfen. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass die im auffallenden Gegensatz zu anderen Vögeln besonders starkwandige knöcherne Schädelkapsel der Spechte allein keinesfalls ausreicht, um bei einer Schlagfolge von 10-15 Schnabelhieben pro Sekunde auf Äste und Baumstämme - in Trommelwirbel, der selbst einen versierten Schlagzeuger, mit beiden Händen ausgeführt, ins Schwitzen bringen dürfte! - das so empfindliche Gehirn vor Schäden zu bewahren. So ist es denn nur bei den Spechten unter den Schädelknochen noch einmal zusätzlich schützend von einer extradicken bindegewebigen Hülle umgeben. Nein, nicht einmal der erfahrenste Sturzhelmspezialist hätte auf eine bessere Idee verfallen können! Aber selbst damit sind wir noch nicht am Ende sämtlicher Voraussetzungen angelangt, die ausnahmslos erfüllt sein müssen, soll ein Specht auch wie ein Specht leben können. Dazu muss er schließlich alle seine technischen Mittel auch in der richtigen Art und Weise zu gebrauchen verstehen - und just dazu leiten ihn seine Instinkte, die "angeborenen Gebrauchsanweisungen" für sämtliche Organe, im rechten Augenblick an, ohne dass es eines mühsamen und langwierigen Erlernens bedürfte! Man stelle sich das doch einmal ganz plastisch vor: einen Specht, der nicht "zufällig" - und eine andere Erklärung erlaubt ja die neodarwinistische Ideologie nicht - die richtigen, sondern die Instinkte einer Ente besäße! Der Bedauernswerte würde also versuchen, mit seinem ungeeigneten Schnabel zu gründeln und mit Hilfe der Kletterfüße zu schwimmen. Ein vergebliches Bemühen - mehr noch: ein tödliches Unterfangen, denn der Ärmste wäre ja gar nicht mehr dazu fähig, das Wasser durch Auffliegen zu verlassen und müsste elend zugrunde gehen. Durch nur einen einzigen "Fehler" in der "Gesamtplanung", wohlgemerkt! Es ist also tatsächlich keine Übertreibung, wenn wir feststellen, dass so ein ganz "gewöhnlicher" Specht wirklich vollkommen ist; denn wie anders könnte er sonst auch sein absonderliches "Spechtleben" fristen? Doch wie in aller Welt konnte eine "ganz allmähliche", eine langsame Höherentwicklung über lange, lange Zeiträume zu dieser Vollkommenheit führen, wenn doch alles erst "funktioniert", wenn auch nicht eine einzige der genannten Voraussetzungen - und das sind beileibe noch nicht alle! - mehr fehlt? Gewiss: vor diese immerhin entscheidende Frage stellt uns ein jeder lebendige Organismus, aber gerade am Beispiel der Spechte offenbart sich die Unfähigkeit einer "naiven" (P. P. Grassé) neodarwinistischen Theorie, die Ganzheitsnatur der Lebewesen allein durch "Zufall und Notwendigkeit erklären zu können, selbst dem biologischen Laien auf eine wahrhaft überzeugende Art und Weise. Mit dem Literaturnobelpreisträger Francois Mauriac erkennt jeder, der noch ein wenig logisch und kritisch denken kann, wie viel "frommer Glaube" dazu gehört, hier noch den blinden Zufall als einzige "schöpferische" Ursache annehmen zu wollen! Jedoch ganz abgesehen von der astronomischen Unwahrscheinlichkeit, dass sämtliche unerlässlichen Voraussetzungen des Spechtlebens ausgerechnet gerade so und ohne den geringsten Fehler, die winzigste "Panne", zusammengetroffen wären: es hätte dieses aller Vernunft und Wahrscheinlichkeitsmathematik widersprechende Ereignis also auch noch schlagartig eintreten müssen, denn alle noch nicht fertigen, mithin unvollkommenen Vorstufen wären ja nach einem unumstößlichen Dogma der Evolutionstheorie der unbarmherzigen, alles nicht Lebensfähige ausmerzenden Selektion zum Opfer gefallen! Diesen unlösbaren Widerspruch in der darwinistischen "Theorie der Hoffnungslosigkeit" (P. P. Grassé) führt gerade das Beispiel der Spechte wiederum eindrucksvoll vor Augen. Man stelle sich doch diese wahrhaft vertrackte Situation nur einmal in aller Deutlichkeit vor. Da zwingen in irgendeiner Umweltsituation, in einer "ökologischen Nische", die besonderen Ernährungsverhältnisse Vögel plötzlich dazu, sich entsprechend umzustellen - ihr Futter nicht mehr auf dem Boden, an Ästchen und Zweigen zu suchen, sondern Insektenlarven aus ihren Fraßgängen im morschen Stammholz herausholen zu müssen. Irgendwann hat - getreu der Theorie! - dann einer glücklicherweise durch eine "zufällig" just zur rechten Zeit erfolgte blinde, richtungs- und ziellose Mutation ausgerechnet einen längeren Schnabel erhalten als seine weniger glücklichen Artgenossen. Ein wahres Himmelsgeschenk (oh! Pardon: ein Darwinismusgeschenk natürlich!), das ihm also einen "Selektionsvorteil" beschert. Doch ach, er kann leider nichts mit ihm anfangen! Im Gegenteil, er ist nur hinderlich, dieser lange, eigentlich ja so zweckmäßige Holzmeißel - denn leider, leider fehlt zur rechten Verwendung die "angeborene Gebrauchsanweisung" Instinkt. Doch machen wir großzügig ein Zugeständnis, selbst wenn es aller Wahrscheinlichkeitsrechnung spottet, und nehmen wir mal an, zufällig sei gleichzeitig eine zweite, nicht minder blinde und ziellose Mutation erfolgt, die ausgerechnet diese Instinktänderung bewirkte. Nun versucht unser doppelt mutierter zukünftiger Specht also zu meißeln. Doch der Ärmste verliert schon beim ersten Ansatz das Gleichgewicht, weil er weder den erforderlichen Stützschwanz zur Verfügung hat, noch bis dato die passenden Zehen mit entsprechenden Krallen. Kopfunter purzelt er hilf- und haltlos von seinem Baum herunter, auf dem er seine "halbfertige" Kunst probiert, und wird, noch bevor er verhungert, eine leichte Beute seiner natürlichen Feinde.
Doch halt! Gibt es da nicht tatsächlich so etwas wie
einen provisorischen Zwischenzustand, eine "Übergangsform" vom
gewöhnlichen Finken zum zukünftigen Vollspecht? Hat da nicht eine Art der
Darwinfinken auf den Galápagosinseln eine höchst interessante "Erfindung"
gemacht, um auch ohne Meißelschnabel und lange Klebezunge oder "Harpune"
im Schnabel Insektenlarven aus Borkenritzen und Fraßgängen herauszuholen?
Nein, das ist kein "Jägerlatein": Die Vögel benutzen wirklich dünne Zweige
oder abgebrochene Kaktusdornen, um damit als "Hebelstange" die Borke
aufzustemmen und in den Larvengängen herumzustochern, ihre verborgene
Beute aufzuspießen und aus dem sicheren Versteck herauszuziehen. Nur sind
bis heute eben doch keine richtigen Spechte aus diesen Finken geworden.
Ja, gerade nach der dawinistischen Theorie würde fatalerweise eine
derartige "Zwischenlösung" just den erforderlichen "Selektionsdruck"
beseitigen, denn den Erfordernissen der "ökologischen Nische" ist damit
offensichtlich voll Genüge getan. Wie sonst könnten die "Spechtfinken" bis
in unsere Tage überlebt haben? Im Übrigen wäre das rein zufällige richtige
Zusammentreffen aller Mutationen, die solch ein komplizierter Instinkt nun
einmal voraussetzt, wiederum ein Kapitel für sich! Nein, Spechte dürfte es nach alledem eigentlich keine
geben - ebenso wenig wie Eichhörnchen, über deren angebliche Evolution
durch richtungslose Zufallsmutationen der bekannte Physiker Walter Heitler
interessante Berechnungen anstellte. Auch bei diesen munteren Kletterern
und Springern bewegt sich die Unwahrscheinlichkeit für eine langsame
Evolution in derart astronomischen Zahlenbereichen, dass sie ruhig als
unmöglich bezeichnet werden darf! Das Wunder besteht "nur" darin, dass es
eben dennoch sowohl Spechte als auch Eichhörnchen auf unserer Erde gibt.
Mehr noch: über eine Million Tierarten, von denen jede, selbst die
unscheinbarste Insekten- und Wurmart, auf ihre Weise und für ihre
Lebenserfordernisse "vollkommen" ist! Doch kommen wir noch einmal auf Fr.
Mauriac zurück. Wie Recht hatte er: keine Religion, nicht einmal die
intoleranteste Sekte verlangt von ihren Anhängern so viel "frommen
Glauben" wie eine Theorie, die alles, aber auch restlos alles allein mit
dem sinnleeren "Zufall" erklären möchte! Ob wir nun Specht oder Ente,
Spechtfink von Galapagos oder den einheimischen Kleiber, Eichhörnchen oder
was auch immer für Tiere betrachten - ausnahmslos ein jedes verfügt über
alle erforderlichen Organe, um gerade sein spezifisches Leben führen zu
können - und ebenso über sämtliche angeborenen "Gebrauchsanweisungen", die
man im Zeitalter der Computer und Informatik treffender als "angeborene
Programme" bezeichnen kann. Mehr noch: auch die Entwicklung dieser Organe
selbst, während das Tier aus einer winzigen befruchteten Eizelle
heranreift, erfolgt ja streng gesetzmäßig nach einem unverwechselbar
artgemäßen "Programm". Die Vorgänge während der Keimesentwicklung wie auch sämtliche biologische Leistungen im späteren Leben der Tiere verlaufen nun, so stellt der Informatikfachmann fest, streng programmgesteuert. Ja, Information ist "das wesentliche Kennzeichen der Prozesse des biologischen Lebens. Die Programmanweisungen sind mit Hilfe des genetischen Code codiert und in den DNS-Molekülen niedergeschrieben. Es ist wesentlich, auch hier festzuhalten, dass es sich um geistige Substrate mit großer Erfindungshöhe handelt". So ist etwa - um nur ein einziges Beispiel anzuführen! - die "codierte" Programmanweisung für die Photosynthese, also die Zuckersynthese mit Hilfe des Blattgrüns in Pflanzenblättern derart "kompliziert, dass sie bisher noch kein Verfahrenstechniker nachbauen konnte. Außerdem ist diese Maschinerie so genial und auf dichtestem Raum programmiert und gespeichert, dass heutige Forschung noch weit davon entfernt ist, die Programme überhaupt lesen zu können. Eine vollständige Nachahmung oder technische Realisierung ist trotz riesigen Forschungsaufwands bis heute nicht gelungen. Dies zeigt deutlich, welch geistige Potenz (!Verf.) wir hinter den natürlichen Systemen zu sehen haben ... auf welch aussichtsloses Unterfangen lassen sich die Evolutionstheoretiker ein, wenn sie allein in der Materie die Begründung des Entstehens des Lebens suchen!" (Zitiert aus einem Leserbrief, März 1984). Was Gitt hier am Beispiel der Photosynthese erläutert, gilt gleichermaßen von allen Lebensleistungen, ob beim Aufbau oder aber beim "Funktionieren" des Organismus. Der blinde, ziel- und sinnlose "Zufall" jedenfalls hat im Zeitalter der Informatik als "Erklärung" der Entstehung von Information" restlos ausgespielt! Wolfgang Kuhn Links über Spechte:
Spechte (Biologie und Systematik) |