Die Kugelgestalt der Erde

Zur Zeit des Altertums war man im allgemeinen der Ansicht, die Erde sei eine flache Scheibe. Jedoch gab es auch eine Ausnahme: Einige griechische Philosophen brachen mit dieser Weltanschauung und behaupteten, dass die Erde eine Kugel sein muss.

Pythagoras (582-496 v. Chr.), ein griechischer Philosoph aus Samos, sprach als erster von der Kugelform des Mondes und der Erde.

Aristoteles (384 bis 322 v.Chr.) lieferte schließlich einen eleganten Beweis für die Kugelgestalt der Erde. Er wies darauf hin, dass der Rand des Erdschattens, der während einer Mondfinsternis auf dem Mond sichtbar wird, immer ein genauer Kreisbogen ist. Während einer Mondfinsternis wirkt der Mond wie eine riesige Leinwand, die hoch im Himmel aufgespannt ist, und wenn der Erdschatten auf diese fällt, enthüllt unser Planet seine Kugelgestalt. Jedes Mal wenn sich die Erde auf den Mond projiziert, hat der Erdschatten immer die Form einer Kreisscheibe. Daraus schloss Aristoteles, dass die Erde eine Kugel sein muss. Denn unter allen möglichen geometrischen Körpern (Würfel, Zylinder, usw.) ist es nur die Kugel, die in jeder Stellung immer einen kreisförmigen Schatten wirft. Dies war ein einfacher, sehr genialer Beweis.

Nebenbei bemerkt, ging Aristrach aus Samos (310 bis 250 v.Chr.) weiter und stellte eine revolutionäre These auf, dass die Sonne im Mittelpunkt des Planetensystems stehe und nicht die Erde. Im Verlauf seiner Beobachtungen behauptete er sogar, dass alle Planeten um die Sonne kreisten und dass die Erde einer dieser Planet sei. Er bezeichnete unsere Sonne kühn als Stern. Schließlich äußerte er bereits die Vermutung, dass sich die Erde um ihre eigene Achse drehe. Leider weigerte man sich, diese Entdeckungen anzuerkennen. So gerieten sie für Jahrhunderte in Vergessenheit.

Hier zeigt sich ausdrücklich, dass man zur Zeit der Entstehung des Christentums schon von der Kugelgestalt der Erde wusste.

Also blieb die Erkenntnis, dass wir auf der Oberfläche einer Kugel wohnen, während des ganzen Mittelalters verloren. Erst im 15. Jahrhundert wurde die Idee, dass die Erde eine Kugel ist, endlich zu einer interessanten Spekulation bei den mutigen Seefahrern Spaniens und Portugals. Sie war vorher nur für Philosophen, Astronomen und Mathematiker von Interesse.

Jedoch selbst zur Zeit von Christoph Kolumbus (1451-1506) galt die Kugelgestalt der Erde noch als eine sehr umstrittene Idee. Kolumbus hatte die Theorien und Erkenntnisse der Griechen (insbesondere von Aristoteles) aus der Antike studiert und erkannte, dass die Erde eine Kugelgestalt besaß. Er schlug am spanischen Hofe vor, Indien statt auf dem langen und gefährlichen Seeweg rund um Afrika auch auf einer Route nach Westen über das Meer zu erreichen, welches Europa und Asien verband. Jedoch wurde er verhöhnt, weil dies dem gesunden Menschenverstand widersprach: Wäre die Erde tatsächlich eine Kugel, und man sich auf der unteren Erdhalbkugel befände, so würde das Schiff doch von der Erde herunterfallen! Auch anderen Einwand bekam Christoph immer wieder zu hören: „Was wird mit deinen Schiffen geschehen, wenn du das Ende der Welt erreichst? Werden sie nicht über den Rand der Erde hinweggleiten und in den Abgrund stürzen?“ Erst nach langen Jahren setzte Kolumbus sich durch, segelte nach Westen über den Atlantik und entdeckte Amerika.

Der erste greifbare und praktische Beweis für die Kugelgestalt der Erde wurde von dem portugiesischen Seefahrer Fernando Magellan (1480 – 1521) geliefert. Als erster umsegelte er die Erde. Seit dieser Weltumsegelung lernt jedes Kind in der Schule, dass wir auf der Oberfläche einer Kugel leben.

 

Die Frage ist nun, ob wir in der Bibel irgendeine Aussage finden, die auf die Kugelgestalt der Erde hinweist? Schauen wir uns den folgenden Bibelabschnitt an:

„Denn wie der Blitz blitzend leuchtet von einem ‹Ende› unter dem Himmel bis zum anderen ‹Ende› unter dem Himmel, so wird der Sohn des Menschen sein an seinem Tag. Vorher aber muss er vieles leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht. Und wie es in den Tagen Noahs geschah, so wird es auch sein in den Tagen des Sohnes des Menschen: sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie wurden verheiratet bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging und die Flut kam und alle umbrachte. Ebenso auch, wie es geschah in den Tagen Lots: sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; an dem Tag aber, da Lot von Sodom hinausging, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte alle um. Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Menschen geoffenbart wird. An jenem Tag - wer auf dem Dach sein wird und sein Gerät im Haus hat, der steige nicht hinab, um es zu holen; und wer auf dem Feld ist, wende sich ebensowenig zurück. Gedenkt an Lots Frau! Wer sein Leben zu retten sucht, wird es verlieren; und wer es verliert, wird es erhalten. Ich sage euch: In jener Nacht werden zwei auf einem Bett sein; einer wird genommen und der andere gelassen werden Zwei werden zusammen mahlen, die eine wird genommen, die andere gelassen werden.“. (Lukas 17,24-35).

„Wann kommt das Reich Gottes?“ (Vers 20). Auf diese Frage antwortete Jesus mit dieser Zukunftsvoraussage, die nicht leicht zu verstehen ist. Schauen wir uns zuerst den Vers 24 an: Dort steht das Wort „Ende“ zweimal in spitzen Klammern. Das bedeutet, dass dieses Wort zum besseren Verständnis in diesen Vers eingefügt wurde. Im griechischen Urtext steht nichts von einem „Ende“! Der Blitz pflanzt sich mit 100 000 Kilometern in der Sekunde fort. Wenn wir den Umfang der Erde betrachtet, braucht der Blitz weniger als halbe Sekunde, um die ganze Erde zu eilen, denn der Umfang der Erde beträgt am Äquator 40.077 km. Der Vers 24 betont die Ähnlichkeit der Wiederkunft Jesu Christi mit einem Blitz sehr stark durch eine Wortdoppelung: „Denn wie der Blitz blitzend...“

Nach Vers 30 herrscht in diesem Moment der Tag, und nach Vers 34 aber die Nacht! So ganz beiläufig wird hier offenbar erwähnt, dass es auf der Erde in ein und demselben kurzen Moment Tag und Nacht sein kann. Das heißt, dass jeder Jesus Christus sieht, wenn er wiederkommt, egal wo er lebt. Das ist nur auf einer Erde als Kugelgestalt möglich. Auf der Tagesseite der Erde werden die Menschen zur gleichen Zeit wie die Menschen auf der Nachtseite die Wiederkunft Jesu Christi in großer Macht und Herrlichkeit sehen. So etwas wäre nicht möglich auf einer flachen Erdscheibe.

Viele Menschen würden nie erwarten, dass die Bibel die Kugelgestalt der Erde andeutet. Und doch scheint es so zu sein! Dieses uralte Buch steht in keinem Widerspruch zu den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaft!

Hans-Holger Miebach